Natürlich gibt es die große Liebe, ihr Feiglinge!

Angeblich (besser gesagt: laut diesem Artikel) soll es ja Menschen geben, die aus Prinzip nicht an die große Liebe glauben. Und obwohl ich mich selbst getrost als Langzeit-Single bezeichnen kann, glaube ich sehr wohl daran. Wir seien alle zu egoistisch, zu faul, immer auf der Suche nach was Besserem (dafür gebe ich immer noch Tinder die Schuld) und zu schnell gelangweilt, heißt es, wenn diese Liebespessimisten ihren fehlenden Glauben an die Liebe begründen. Obwohl diese Dinge auf manche von uns zutreffen mögen, ist die logische Konsequenz daraus noch lange nicht, einfach nicht an die große Liebe zu glauben. Denn das wäre genau so faul und vor allem feige.

Es braucht Mut, sich auf jemanden einzulassen, ohne vorher zu wissen, was dabei rauskommt, das steht außer Frage. Es kann die große Liebe sein, etwas völlig Unbedeutendes, aber auch der große Herzschmerz. Einfach abzuwarten und das zu nehmen, was halt kommt, ist da schon weniger risikoreich. Mich selbst nehme ich von dieser Theorie nicht aus. Aber wer die Liebe finden will, muss dieses Risiko eingehen. Eine Garantie für die ewige Liebe ist das zwar nicht, aber zumindest erhöht es die Chancen erheblich.

Liebe bedeutet nun mal unter anderem auch Risiko und setzt eine gewisse Offenheit und Bereitschaft voraus, Dinge auszuprobieren und Beziehungen (und vor allem Menschen) eine Chance zu geben. Im Grunde ist das Ganze eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wer sich einredet, dass es sich ohnehin nicht auszahlt, sich auf jemanden einzulassen und Dinge zu wagen, der wird früher oder später auch danach handeln, die Situation wird sich dementsprechend fügen und ein weiterer gescheiterter Beziehungsversuch kann abgehakt werden, weil es wahrscheinlich „eh nicht das Wahre“ war und da bestimmt noch was Besseres kommt. Duh. Das sind genau die Dinge, die man sich immer dann einredet, wenn man eine Entscheidung vor sich selbst rechtfertigen und schönreden will, von der man sich nicht sicher ist, ob man wirklich dahinter steht.

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Überhaupt finde ich es ein bisschen übertrieben, mit Anfang oder Mitte Zwanzig vom Ende der Suche nach der großen Liebe, verlorener Hoffnung und unendlich vielen Enttäuschungen zu reden. Ich erwische mich selbst so oft dabei, wie ich über mein (Liebes-)Leben jammere, als wäre ich eine 75-jährige Jungfer, die plötzlich gemerkt hat, dass die Blüte ihres Lebens so ziemlich vorbei ist.

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Aber ich bin 23 Jahre alt. Das bedeutet, die Zeit in meinem Leben, in der ich ein sogenanntes Liebesleben hatte, beläuft sich in etwa auf ganze sieben Jahre. In diesen sieben Jahren habe ich ein paar Mal geweint und ein paar Mal andere Menschen zum Weinen gebracht—diese Tatsache berechtigt mich aber noch lange nicht dazu, mich zu verhalten, als wüsste ich alles und hätte schon alles gesehen. Wer in diesem Alter schon aufgegeben hat, der macht es sich sehr leicht und dem wünsche ich nicht, dass er sich jemals für eine Sache in seinem Leben übermäßig anstrengen muss.

Die Menschen, die nicht an die Liebe glauben, sind auch diejenigen, die meinen, Happy Ends gäbe es nur, wenn man de Film früh genug enden lässt. Aber ich glaube nicht, dass sich alles früher oder später zum Schlechten wendet—genauso, wie ich nicht glaube, dass echte Liebe nur aus kitschigen Hollywood-Enden besteht.

Die große Liebe muss nicht bedeuten, dass sich jemand jahrelang nach dir verzehrt und permanent mit großen Gesten um sich schmeißt. Vor Kurzem habe ich jemanden Folgendes sagen gehört: „Die große Liebe ist der Mensch, der dir am wenigsten auf die Nerven geht.“ Eine treffende Formulierung, die einem die unrealistischen Erwartungen nimmt, aber trotzdem glauben lässt, dass da noch ziemlich gute Dinge auf einen zukommen könnten. Bleibt also nur noch zu hoffen, dass die selbsterfüllende Prophezeiung auch in die entgegengesetzte Richtung funktioniert.

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Verena glaubt auch auf Twitter an die große Liebe: @verenabgnr

Titelbild: Eva Zar

von
NewsRaider.de

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