Ich habe einen Monat lang Sugar Mamas gedatet und würde es nie wieder tun

Diese Frau ist zwar auch schon etwas älter, gehört aber trotzdem nicht zu den Dates des Autoren. Foto: Phil Galdys | Flickr | CC BY 2.0

Diesen Sommer lag ich eines Tages im Bett und verspürte plötzlich den Drang, etwas Neues auszuprobieren. Nachdem ich mein Smartphone wieder mit Tinder ausgestattet (meine ersten Ausflüge in die Online-Dating-Welt habe ich durch das Zuspammen meiner Matches mit Drake-Lyrics versaut) und mir ein neues Profil angelegt hatte, wurde ich vor die Wahl gestellt: Ich musste angeben, welche Altersgruppen für mich interessant ist.

Mit einem lockeren Wischer nach rechts setzte ich die Obergrenze auf 50 Jahre und es ging los. Irgendwann langweilte ich mich, mein Daumen schmerzte und ich döste weg. Am nächsten Morgen wurde ich dann durch die regelmäßige Vibration meines Handys geweckt. Ein Blick auf das Display zeigte mir, dass sich über Nacht Dutzende Matches angesammelt hatten. Darunter waren auch viele „reife“ Frauen und dieser Umstand brachte mich auf eine Idee: Ich setzte es mir zum Ziel, mich von älteren Frauen schick ausführen zu lassen, ohne mir dabei eine faule Ausrede einfallen zu lassen und nach kurzer Zeit wieder abzuhauen.

Die Vorstellung, mit einer heißen „Mom“ zusammen zu sein, ist wohl die Fantasie vieler männlicher Teenager, aber eine Sugar Mama ist da doch noch mal etwas Anderes. Das Zepter aus der Hand zu geben und als doch recht machohafter Mann ein bisschen Verletzlichkeit zu zeigen, spielt in einer höheren Liga als sich einfach nur zu einem MILF-Porno einen runterzuholen. Hier ist es nötig, sich einem anderen Lebensstil sowie einer anderen Art der zwischenmenschlichen Beziehung zu verschreiben. Ich musste das Ganze einfach ausprobieren, um für mich selbst herauszufinden, ob der Hype gerechtfertigt ist oder nicht.

Daraufhin schrieb ich eine Craigslist-Anzeige für ältere Frauen und richtete mir einen Account auf einer Cougar-Dating-Website ein.

„19-jähriger Student, der auch im Medienbereich tätig ist. Ich bin ein umgänglicher Typ und für so ziemlich alles zu haben“, hieß es dabei in meiner Beschreibung, gefolgt von genaueren Details zu meinem Aussehen (nicht hässlich) sowie meiner finanziellen Lage (schrecklich). „Ich bin auf der Suche nach etwas Lockerem, denn ich will dazulernen. Erwartet hier nichts Langfristiges. Mehr als einen schnellen Quickie werde ich euch aber auf jeden Fall bieten.“

Mit einem halb unkenntlich gemachten Profilbild stellte ich den Account schließlich online. Im darauffolgenden Monat sollte ich dann mehrere Dates mit Frauen zwischen 35 und 48 haben. Dabei waren alle diese Frauen sehr freundlich, aber auch sehr bestimmend—einige vor allem Zweiteres. Folgendes ist dabei passiert.

Echte Gourmet-Küche | Foto: w00kie | Flickr | CC BY 2.0

Tessa*, 39

Tessa war die erste Frau, die mich nach der Aktivierung meines Profils anschrieb. Dabei meinte sie, dass ihr die Direktheit meiner Beschreibung gefiel und sie es gut fand, wie ich in einem so jungen Alter schon so hart arbeiten würde. Unsere digitale Konversation driftete dann jedoch schnell in oberflächlichere Gefilde ab: So fand sie meine Kieferpartie total sexy und mir erging es mit ihrem sportlichen Körper genauso.

Da es für mich eine ganz neue Erfahrung war, Frauen zu daten, die fast so alt sind wie meine Mutter, hatte ich dementsprechend auch keine Ahnung, was ich erwarten sollte. Deshalb war ich auch darauf vorbereitet, das Ganze abzubrechen, falls die Verabredung zu bizarr oder zu unbehaglich werden sollte (wovon ich eigentlich fast schon ausging). Den „Horror“-Geschichten meiner Freunde zufolge, die schon mal mit viel älteren Frauen ausgegangen sind, kann es schnell passieren, dass solche Unterfangen total schiefgehen, wenn die Dame eigentlich nur irgendeine perversen Bettgeschichte erleben will oder den jüngeren Gegenüber wie eine Art Nutzpflanze behandelt, die geerntet werden muss. Und Mais wollte ich garantiert nicht sein.

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Als ich im angesagten italienischen Restaurant ankam und dabei zehn Minuten zu früh dran war, stellte ich überrascht fest, dass Tessa es sich bereits an unserem Tisch gemütlich gemacht hatte. Ihre Handtasche hatte sie dabei neben sich verstaut und ihr Schoß war mit einer Serviette bedeckt. Sie sah richtig gut aus. Irgendwie erinnerte sie mich total an Gillian Anderson zu ihren Akte X-Zeiten—und als Kind war ich total in die Schauspielerin verliebt. Allein das war für mich schon Motivation genug, diese Sache nicht gegen die Wand zu fahren.

Als sie mich reinkommen sah, stand sie nicht auf. Stattdessen machte sie so intensiven Augenkontakt, dass ich den Eindruck bekam, sie wolle in meine Seele blicken. Da mir so etwas jedoch nur wenig ausmacht, hielt ich den Augenkontakt, während ich meine Hand ausstreckte und mich vorstellte.

„Wie geht es dir?“, fragte ich. Ihre Antwort: „Gut, gut. Setz dich!“ Ich kam ihrer Aufforderung ohne Zögern nach.

Einer der Ausdrücke, die in der Cougar-Community für jüngere, auf ältere Frauen fixierte Männer verwendet wird, ist „Cub“ . Natürlich ist diese Bezeichnung im Grunde nur ein netter Ausdruck dafür, dass eine Matriarchin über dich bestimmt—und das war mir auch bewusst, als ich mich auf diese ganze Sache einließ. Ich freute mich eigentlich sogar darauf, von einer älteren und erfolgreicheren Frau umsorgt zu werden. Das Date war so etwas wie eine Umkehrung der typischen Mann-Frau-Interaktion und kostenloses Essen schlage ich sowieso nie aus. Was sprach also dagegen?

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Nach ein paar Minuten Smalltalk brach dann schließlich das Eis. Nach einem ausgiebigen Abendessen und einer Flasche Wein verbrachten wir den Rest des Abends damit, leicht angetrunken durch die Stadt zu spazieren. Dabei musste ich für nichts bezahlen. Tessa war eine Buchhalterin und stellte von vornherein klar, dass ich meinen Geldbeutel gleich stecken lassen könnte. Irgendwann wurde es mir jedoch richtig unangenehm, dass sie schon für das gesamte Abendessen bezahlt hatte, und ich bestand deshalb darauf, uns einen Kaffee zu kaufen.

Als es an der Zeit war, sich zu verabschieden, ergriff sie wieder die Initiative. So kam sie mir sehr schnell nahe, was mir (natürlich) nichts ausmachte. Es war schon lange her, dass ich für einen erfolgreichen Abschluss eines Dates so gut wie nichts machen musste. Wir haben uns dann geküsst und anschließend ging jeder seines Weges. Davor meinte ich allerdings noch, dass ich für ein zweites Date zu haben wäre. Diese Aussage fühlte sich später jedoch ziemlich komisch an, denn als Tessa mich bei Facebook addete, sah ich auch zum ersten Mal Bilder von ihren Kindern (vom Vater hatte sie sich übrigens kurz nach deren Geburt getrennt). Zu einem weiteren Treffen ist es dann nie gekommen, obwohl sie mich zwei Mal fragte, ob wir ein Eis essen gehen wollen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Eis, aber noch eine unangenehme Knutscherei mit einer Frau, die vom Alter her auch meine Mutter sein könnte, war mir zu diesem Zeitpunkt einfach zu viel.

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Foto: Nicolas Alejandro | Flickr | CC BY 2.0

Angela, 42

Kurz vor meinem Date mit Tessa kontaktierte mich Angela bei Craigslist mit folgender Nachricht: „Ich lade dich gern zum Abendessen ein, aber hast du auch Lust auf Sex? Ansonsten bin ich nicht interessiert.“ Ich wusste nicht genau, wie ich darauf antworten sollte. Ein Foto hatte sie nicht mitgeschickt und ich hatte keine Ahnung, wer genau sie eigentlich war. Eigentlich informierte sie mich nur über ihr Alter. Ich meine, eigentlich bin ich immer für ein Schäferstündchen zu haben, aber hier machte ich mir dann doch irgendwie Sorgen, entweder verarscht oder zur Beute einer sexsüchtigen Frau zu werden. Letztendlich schob ich das Ganze auf die lange Bank und kam erst wieder auf Mail zurück, als ich Wochen später meinen Posteingang aufräumte. Nach meinem Date mit Tessa dachte ich mir: „Scheiß drauf, warum denn nicht?“ Also schrieb ich Angela zurück und meinte, dass sie mich anrufen solle. Nicht mal fünf Sekunden später klingelte mein Handy.

Wir plauderten gut zehn Minuten lang und entschlossen uns schließlich dazu, ein Treffen zu vereinbaren. Sie sagte, dass wir zuerst einen Kaffee trinken und dann in eine Bar weiterziehen sollten—der Rest des Abends würde sich dann schon ergeben. Wie auch beim Date mit Tessa wollte Angela für alles bezahlen. Als wir alles ausmachten, hatte ich überhaupt kein Mitspracherecht. Noch am Telefon meinte Angela außerdem, dass sie unter keinen Umständen als Cougar bezeichnet werden wollte. Wenn ich ihr schon einen anderen Spitznamen als „Babe“ geben müsste, dann bitte „Tigerin“. Dazu wurde ich noch angewiesen, ihr die ganze Zeit zuzuhören. Das brachte mich irgendwie aus der Bahn. Eigentlich war ich es gewohnt, mit meinen Beziehungspartnerinnen auf einem Level zu stehen, und deshalb fühlte es sich verdammt komisch an, mich irgendjemandem unterordnen zu müssen. Einen kurzen Moment lang konnte ich verstehen, was Frauen Tausende Jahre ertragen mussten.

Als wir uns dann schließlich trafen, schien Angelas Outfit förmlich nach Boss zu schreien: Sie trug eine schwarze Lederjacke und dazu Jeans, hohe schwarze Stiefel sowie ein tief ausgeschnittenes, weißes Shirt. Sie ließ sich definitiv in die „Hot Mom“-Kategorie einordnen und hatte irgendwie etwas von einer heißen Motorradbraut—bloß ohne Crystal Meth. Außerdem war sie extrem bestimmend. Sie bestand so sehr darauf, alle Entscheidungen zu treffen, dass sie mich direkt am Anfang unseres Dates fest an der Hand nahm und zu unserem ersten Ziel führte. Ich sah das Ganze einfach als Experiment an, das kostenlosen Kaffee und Schnaps beinhaltete, und hatte deswegen auch keinen Grund, mich zu beschweren.

Der ganze Abend war dann im Grunde ein einziger Rausch aus verschiedenen Bars. Ich erinnere mich jedoch noch daran, dass ich Angela für eine sehr interessante Frau hielt: Sie erzählte mir, dass sie sich vor einer Weile von ihrem Mann (zehn Jahre älter als sie) scheiden ließ, weil sie sich nach jüngeren Typen sehnte. Als ich sie fragte, wie viele Männer sie vor mir gedatet hatte, antwortete sie nur, dass sie das gar nicht wissen würde, das Ganze für sie aber schon seit gut einem Jahr normal wäre. Außerdem bestand sie darauf, dass wir zurück zu ihr gehen. Da sagte ich natürlich nicht Nein.

Als wir in ihrer Wohnung ankamen—ein Loft in der Nähe des Cafés, wo wir uns urspünglich verabredet hatten—, fühlte ich mich direkt wie in einer Art Rotlichtbezirks-Bude, die nur existierte, um mich zu verführen. Das Wohzimmer war von Cremefarben geprägt, auf der grauen Ledercouch waren rote Samtkissen platziert und im Türrahmen zum Flur hingen weiße Perlketten. Es roch auch unglaublich gut, so als ob Lavendel und Schokolade ein leckeres Baby gezeugt hätten. Das Wort „Love“ und andere Tumblr-Sprüche waren in Neon-Leuchtschrift an der Wand zu lesen. Damit wurde gleichzeitig auch für gedimmte Beleuchtung gesorgt. In der Küche brannten außerdem noch ein paar Kerzen und aus einer iPod-Dockingstation ertönte atmosphärische House-Musik. Im Grunde kam ich mir vor wie in einem The-Weeknd-Musivideo, bloß ohne Drogen und wuscheliges Haar. Irgendwie gefiel mir das alles richtig gut.

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Kaum waren meine Stiefel ausgezogen, deutete Angela auch schon auf die Couch mitten im Wohnzimmer. Ich hatte mich noch nicht mal richtig hingesetzt, da fingerte sie auch schon an meiner Hose herum und massierte mir den Schritt. Küssen oder Smalltalk? Fehlanzeige. Irgendwie fühlte ich mich dabei ein wenig unwohl und sie erinnerte mich an die Tante eines Freundes, die ich noch von früher kannte und die immer viel Gemüsesaft trank und total braungebrannt aussah. Allerdings hatte ich mir vor dem Date auch zwei Lorazepam eingeworfen und deshalb war meinem Gehirn zu diesem Zeitpunkt sowieso alles egal. Wenige Sekunden später lagen meine Hose und Boxershorts auch schon auf dem Boden und Angela fing an, mir einen zu blasen. Hier muss ich anmerken, dass es sich dabei um den besten Blowjob handelte, den ich je bekommen habe. Angela wusste, welche Knöpfe sie drücken musste, und hatte alles fest im Griff.

Plötzlich hielt sie jedoch inne und stand auf. Für einen Moment dachte ich, dass ich etwas falsch gemacht hätte. War ich zu gefügig gewesen? Ich wusste nicht, was vor sich ging. Nach einer kurzen Pause zog sich Angela ihre Hose ebenfalls aus und wollte mich besteigen.

Plötzlich kippte die Stimmung: Als ich nach einem Kondom greifen wollte, schlug Angela meine Hand weg. Ich meinte, dass Sex ohne Kondom nicht drin wäre, woraufhin sie nur antwortete, dass ich nicht rumheulen sollte. Und schon hatte ich keine Lust mehr. Verärgert darüber, dass mir jemand vorschreiben wollte, was ich mit meinem Körper zu tun und zu lassen habe, ließ ich die unterwürfige Fassade sein und drückte sie sanft von mir runter. Wir saßen kurz nebeneinander und schwiegen uns an, aber dann zog ich langsam meine Hose wieder an und erklärte Angela, dass das Ganze für mich zu bizarr geworden wäre. Ich meinte, dass ich sie zwar für eine sehr nette Frau halten würde und auch sehr dankbar für den feuchtfröhlichen Abend sei, er für mich an dieser Stelle jedoch vorbei wäre.

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Trotz ihres Widerspruchs ließ ich noch ein wenig Geld auf ihrem Tisch zurück—zum einen, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte (was jedoch nicht nötig gewesen wäre, denn jeder Mensch darf ja wohl selbst darüber bestimmen, wie und ob er oder sie Sex haben will) und zum anderen, weil irgendeine tief in mir verwurzelte Männlichkeit der Meinung war, dass wir uns die Rechnung für den Alkohol teilen sollten. Noch im Treppenhaus löschte ich sowohl alle ihre Nachrichten als auch ihre Nummer. Seitdem haben wir nie wieder ein Wort miteinander gewechselt. Ob ich das schade finde? Kein Stück!

Gillian Anderson | Foto: Wikimedia Commons | CC BY-SA 2.0

Marilyn, 40

Ich traf Marilyn noch am selben Tag, an dem sie mir eine Nachricht schickte. Als Immobilienmaklerin, die nicht nur in einer vornehmen Gegend arbeitete, sondern dort auch lebte, trug sie entsprechenden Schmuck. Sie holte mich mittags vor einer U-Bahn-Station ab—und zwar in einem brandneuen Audi, der nach frischem Leder und teuren Dingen duftete. Als ich einstieg, umarmte sie mich mit einem herzlichen Lächeln. Sie hatte ein großartiges Lachen und war wortgewandt. Ich fühlte mich im Gegensatz zu meinen vorherigen Dates so wohl, dass ich nicht das Gefühl hatte, die Situation auflockern oder irgendwelchen belanglosen Small Talk machen zu müssen. Es war einfach lustig mit ihr, sie mochte sogar Drake.

Marilyn stand sehr auf Mode. So sehr, dass selbst die überheblichsten Fashionistas bei der Abstimmung ihrer Kleidungsstücke und dem Farbarrangement himmelhoch gejauchzt hätten. Ich fühlte mich so, als wäre ich in meiner Rocker-Montur etwas underdressed. Wie auch immer, Marilyn schien das nicht so sehr zu kümmern. Sie fragte mich, woher ich die Lederjacke hätte, und ich antwortete: „Von irgendeinem Typ auf dem Großen Basar.“ Das war die Wahrheit und ich sah keinen Grund zu lügen.

Während unserer Online-Konversation vor dem Treffen hatten wir ausgemacht, zuerst einen kleinen Happen essen zu gehen. So konnten wir herausfinden, ob wir gut genug zusammenpassen, um auf weitere Dates zu gehen. Darüber war ich ziemlich glücklich, da sie wahrscheinlich ähnlich viele Vorbehalte hatte, einen jungen Fremden zu daten, wie ich Vorbehalte hatte, mit einer älteren Unbekannten auszugehen. Wir entschieden uns schließlich dazu, in einem günstigen Thai-Restaurant zu essen, das bei Studenten in der Gegend äußerst beliebt ist—ein Ort, wo genug los war, um kein Aufsehen zu erregen.

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Marilyn und ich redeten fast zwei Stunden lang über Gott und die Welt, während sie eine würzige Gemüsepfanne und knusprige Frühlingsrollen verdrückte. Marilyn war Vegetarierin, während ich mehr der reine Fleischesser bin, woraus sich schnell eine Debatte über die Ethik des Konsums von toten Tieren entwickelte. Wir einigten uns darauf, dass Tierschlachtungen schon irgendwie ziemlich krank sind, und sie akzeptierte meine Antwort, dass die volle Verantwortung für den Tod all des Geflügels, das ich täglich in mich stopfe, auf mir lasten würde. Gegen Ende des Gesprächs scherzte sie, dass sie trotzdem manchmal gerne eine Wurst in den Mund nehmen würde. Auf diese Bemerkung hin verlangte ich die Rechnung, die wir uns dann ohne große Diskussion teilten. Das fühlte sich irgendwie einfach normal an.

Nach dem Essen trennten sich unsere Wege und wir schmiedeten vage Pläne, uns mal wieder zu sehen. Aber erst gegen Ende des Sommers trafen wir uns dann tatsächlich wieder auf einen Kaffee. Als ich sie diesmal sah, lief jedoch alles ganz anders ab. Sie wirkte erschöpfter, hatte nicht soviel Energie und lächelte weniger. Ich hatte den Eindruck, als wäre das Ganze für sie nur eine Pflichtveranstaltung, die ihr keinen Spaß macht. Als ich sie fragte, wie es ihr so gehen würde, erzählte sie mir vom Tod ihrer Mutter und wie schwer sie davon getroffen wäre.

Für den Rest des Abends schlenderten wir durch die Stadt und unterhielten uns. Es war ein trüber Tag—sowohl in Bezug auf das Wetter als auch auf unsere Gespräche. Schließlich endeten wir vor einer Kirche. Die Situation war nicht einfach. Marilyn sagte mir, sie bräuchte ein wenig Zeit für sich selbst. Ich umarmte sie und wir gingen erneut getrennte Wege. Auch wenn wir uns nie wieder trafen, schrieb ich ihr noch einmal, um zu erfahren, wie es ihr ging. Sie erzählte mir, dass es schon wieder besser laufen würde. Außerdem wollte sie sich mit mir wieder auf ein thailändisches Essen treffen. Ich sagte ihr, dass ich da sofort dabei wäre. Das Ganze war allerdings eher gelogen, damit sie sich nicht noch schlechter fühlte, als es ihr nach dem Tod ihrer Mutter ohnehin schon der Fall war.

Vanessa, 48

Vanessa war die letzte Frau, die sich via Craigslist meldete. Kurz darauf nahm ich die Anzeige wieder runter, weil mir klar wurde, dass das Studium bald wieder anfing und ich nicht weiter doppelt so alte Frauen daten sollte, während ich von Tausenden gleichaltrigen Studentinnen umgeben bin.

In ihrer Nachricht schrieb sie mir eine ziemlich detaillierte Beschreibung ihrer selbst. Abgesehen von ihrem Gewicht, ihrer Größe und ihrer Haarfarbe betonte sie auch, dass sie chinesischer Abstimmung sei. Ich antwortete, dass ich Interesse hätte, fragte aber auch, warum sie gerade ihre Herkunft erwähnte. Sie erklärte mir, dass viele Männer ihr bereits den Laufpass gegeben hätten, als sich bei den Treffen herausstellte, dass sie asiatisch aussieht.

Als Typ, der mit der Bro-Kultur aufgewachsen ist, fand ich das zwar ziemlich mies, aber es verwunderte mich auch nicht. Männer—und dabei vor allem weiße Typen—können mit ihren „Fetischen“ und Präferenzen bei Frauen oft ziemlich beleidigend werden. Ich versicherte ihr jedenfalls, dass mir das völlig egal sei und dass es sich bei den Typen, die so auf sie reagiert hatten, um ultimative Arschlöcher handeln würde. Am nächsten Tag trafen wir uns in einem koreanischen BBQ-Restaurant und planten, anschließend beim nahe gelegenen Flussufer ein kleines Foto-Shooting zu machen (Ja, rein zufällig fotografiere ich und rein zufällig ist das bei Dates ein ziemlich nützlicher Eisbrecher. Dafür braucht ihr mich jetzt nicht verurteilen, OK?).

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Wir bestellten unser Essen und es fiel mir von Anfang an ziemlich schwer, mit Vanessa eine Unterhaltung zu führen. Sie spielte andauernd mit ihrem Handy herum (offensichtlich kein reines Problem der Millenials) und gab nur ziemlich vage Antworten auf meine Fragen. Glücklicherweise bedeutet koreanisches BBQ auch, dass man sich das Essen selbst zubereiten muss, und deshalb war sie dazu gezwungen, hin und wieder ihr Handy beiseite zu legen, um etwas Fleisch auf den Grill zu werfen und dann kurz mit mir zu plaudern. Doch jedes Mal, wenn wir miteinander sprachen, wanderten ihre Augen überall durch den Raum und schienen meinen Blicken auszuweichen (ganz im Gegensatz zu Tessa damals!). Sie war offensichtlich nervös. Ich versuchte deshalb, so entspannt wie möglich zu wirken, saß betont relaxt auf meinem Stuhl und ließ meine Stimme besonders sanft und engelsgleich klingen. Aber all das nützte nichts. Sie taute nicht auf.

Als wir das Restaurant verließen und wie geplant zum Ufer spazierten, starrte sie weiterhin ständig auf ihr Handy—sogar noch öfters als zuvor. Auf halbem Weg blieb ich schließlich stehen und fragte, ob denn alles OK sei, woraufhin sie endlich mit der Wahrheit rausrückte: Ihr Ehemann (von dem ich nichts wusste) wollte wissen, wo sie sei, und ahnte schon, dass sie ihn betrügen würde.

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Etwas verblüfft fragte ich, wieso sie mir das nicht gleich gesagt hätte. Sie meinte, sie hätte Angst gehabt, dass ich deswegen gar nicht erst mit ihr ausgegangen wäre. Damit hatte sie natürlich Recht—nicht nur, weil ich niemand daten wollte, der bereits vergeben ist, sondern auch, um mich nicht dem Zorn des Typen auszusetzen. Ich tat mich jedoch schwer, ihr das klarzumachen. Sie schien bereits ziemlich traumatisiert zu sein und wäre vermutlich mitten auf der belebten Straße in Tränen ausgebrochen.

Also sagte ich bloß, dass die Situation doch etwas seltsam sei und wir die Sache lieber bleiben lassen sollten, damit sie zurück zu ihrem Ehemann gehen könnte. Das machte alles jedoch nur noch schlimmer. Vanessa rastete aus und warf mit vor, im Anbetracht ihrer Lage kurzsichtig und unüberlegt zu handeln. Ihr Ton veränderte sich von „Ich kann nicht glauben, dass du das gerade gesagt hast“ hin zu „Die Leute hier werden uns jetzt bald ziemlich besorgt anstarren“.

Nachdem sie sich nach ungefähr 30 Sekunden wieder eingekriegt hatte, meinte sie zu mir, dass sie ihr Handy für den Rest des Dates weglegen würde, wenn ich diese Auseinandersetzung einfach vergessen könnte. An diesem Punkt hatte ich jedoch schon längst das Interesse verloren. Also starrte ich nur ins Leere, schüttelte den Kopf und seufzte. Ich schlug vor, sie noch zu ihrem Auto zu bringen, sagte aber auch, dass ich in der ganzen Sache keinen Sinn mehr sehen würde. Sie antwortete, dass das schon OK sei, und rief sich ein Taxi. Das war meine Chance, mich zu verdrücken: Ich nickte, verabschiedete mich, setzte meine Kopfhörer auf und machte mich mit Phil Collins im Ohr auf meinen langen und befreienden Heimweg. Dafür könnt ihr mich jetzt gern verurteilen.

Was ich aus dem Ganzen gelernt habe

Wenn ich aus dieser gesamten Erfahrung irgendetwas gelernt habe, dann die Tatsache, dass Dates mit älteren Frauen ein schwieriger Balanceakt zwischen herausfordernder Aufregung und schlimmer Unbehaglichkeit sind. Obwohl es ziemlich großartig ist, zu teuren Abendessen eingeladen zu werden und eine Bekanntschaft zu haben, die einen herumführt und auch zu einer Bettgeschichte nicht Nein sagt, kam ich bis zuletzt nicht mit dem Konzept klar, dass die Frauen, die mich aushielten und mir all diesen Luxus bescherten, mich im Grunde nur als einen gerade so legalen Lustknaben betrachteten.

Ehrlich gesagt bin ich mir immer in Bezug auf die Dates immer noch nicht ganz sicher, ob ich mich wie ein unreifes Stück Scheiße verhalten habe oder ob die peinlicheren Momente wirklich nicht meine Schuld waren. Während ich zum Beispiel Angelas Beharren auf meiner Unterwerfung ziemlich irritierend fand, könnte man wahrscheinlich auch argumentieren, dass ich für diese Erfahrung einfach nur nicht offen genug war—vor allem mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass ich die Rolle eines Cougar-Jungen hätte einnehmen sollen. Im Übrigen tue ich mir auch schwer damit, Pornos zu schauen, bei denen Typen ihre Sexpartnerinnen obszön beleidigen, und das einzige Mal, als eine Ex mich darum bat, sie beim Sex ein bisschen zu würgen, wurde mein Penis wieder halb schlaff. Wahrscheinlich bin ich einfach nur ein Softie.

Aber würde ich anderen Typen meines Alters nun empfehlen, mit einer älteren Frau anzubandeln? Ja, das würde ich. Aber nicht, weil ich ihnen garantieren kann, dass sie mit dem Ergebnis zufrieden sein werden—sie könnten aus der Erfahrung genauso irritiert hervorgehen wie ich (vor allem nachdem sie realisiert haben, wie wenig das Ganze tatsächlich mit Pornos zu tun hat)—, sondern weil ich die Annahme vertrete, dass man alles auf die harte Tour lernen muss. Um herauszufinden, ob jemand zu dir passt, ist es meiner Meinung nach am besten, das Ganze einfach auszuprobieren, es letztendlich zu versauen und beim Nachdenken über die schreckliche Erfahrung hörbare Jammerlaute von sich zu geben (das ist möglicherweise etwas, das ich immer mache). Außerdem kannst du dich so ein bisschen austoben und dich umsonst betrinken, anstatt dir die Rechnung zu teilen (so wie das die meisten kultivierten Menschen heutzutage tun). Wie kann man dazu schon Nein sagen?

*Alle Namen geändert

von
NewsRaider.de

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