College-Studenten erzählen uns von ihrem Sexleben im Wohnheim

Jeder hat das Recht, es zumindest einmal im Studentenwohnheim zu treiben. Alle Fotos vom Autor

Für die meisten Menschen, die während ihrer Teenagerjahre die logistische Meisterleistung vollbringen mussten, andere Leute nachts in das Haus ihrer Eltern zu lotsen, kann Wohnheim-Sex eine unglaubliche Verbesserung der Lebensqualität darstellen. Vorbei sind die Tage, an denen du unter Lebensgefahr die Hauswand hoch zum Zimmer deines oder deiner Angebeteten klettern musst. Es reicht jetzt, einfach den Fahrstuhl in ein anderes Stockwerk zu nehmen oder ein paar Meter den Flur entlangzugehen, und schon kann’s loslegen.

So einfach ist es dann aber auch nicht immer. So ein Stelldichein in einem Gebäude voll mit Hunderten notgeilen Studenten kann durchaus seine Probleme mit sich bringen. Dünne Wände, Gerüchte, ätzende Mitbewohner und die Gefahr fieser Geschlechtskrankheiten, die ganze Stockwerke außer Gefecht setzen können, machen unverbindliche Intimitäten im Studentenwohnheim manchmal zu einem Spaziergang auf einem Minenfeld. Jetzt, da sich das Semester auf der anderen Seite des großen Teichs dem Ende nähert, haben wir ein paar Studenten in Kanada nach ihren besten und schlimmsten Sexerlebnissen im Wohnheim gefragt.

Kendra, 23, University of Windsor

VICE: Jetzt, da du mit der Uni fertig bist, wie fühlst du dich, wenn du auf Sex im Wohnheim zurückblickst?

Kendra: Ich habe es verdammt geliebt! Mich macht das irgendwie an, wenn andere Leute wissen, dass ich Sex habe.

Bist du eine Voyeurin?

Ich glaube. Vielleicht? Ich weiß es nicht. Ich will keinen Sex in der Öffentlichkeit haben oder so, aber ich lasse gerne die Tür einen Spalt offen oder rede einfach ziemlich offen über Sex. Ich versuche jetzt aber, niemanden damit zu ärgern oder so, auch wenn ich weiß, dass das so rüberkommen kann.

Wie haben andere Menschen auf deinen offenen Umgang mit Sex reagiert?

Ich glaube, ein paar Menschen setzt das zu, aber das ist nicht mein Problem. Wenn sich jemand darüber aufregt, dass du offen mit deinem Sexleben umgehst, dann liegt das wahrscheinlich daran, dass sie selbst mit ihrem nicht zufrieden sind. Ich weiß das, weil ich selbst mal so drauf war.

Ist dein Sexleben ruhiger geworden, seit du aus dem Wohnheim ausgezogen bist?

Ich würde sagen, es hat sich normalisiert. Eine Sache, die wirklich schwer war, war nicht zu viele Leute im Wohnheim zu vögeln, weil es dann so eine Sache wird. Jetzt muss ich etwas wählerischer sein und auch etwas mehr Arbeit reinstecken.


Daniel, 20, Ryerson University

VICE: Wie war das Leben im Wohnheim? Hast du Mitbewohner gehabt?

Daniel: Während meiner beiden Jahre hatte ich das große Glück, alleine zu leben. Ich habe die Privatsphäre wirklich genossen.

Hattest du jemals unangenehmen Sex im Wohnheim?

Voll! Und mich würde wundern, wenn das irgendjemandem nicht so ging. wurde immer häufiger und als Resultat herrschte ein angespanntes Verhältnis zwischen mir und anderen.

Findest du, dass es bestimmte Regeln gibt, an die man sich beim Sex im Wohnheim halten sollte?

Lärm. Das ist definitiv das Wichtigste. Speziell dieses Gebäude ist unfassbar hellhörig gewesen. Am Ende des Jahres weiß jeder, wie du beim Sex drauf bist und mit wem du alles geschlafen hast.

Wie hat sich dein Sexleben verändert, als du Resident Assistant wurdest?

Nun, als Student habe ich mich definitiv frei gefühlt, einfach das zu tun, was ich will. Ich habe mehr rumgevögelt, mehr getrunken, mehr gefeiert—das ganze Zeug halt. Als Angestellter ist das jetzt eine total andere Angelegenheit, weil wir solche Verbindungen mit unseren nicht Studierenden eingehen können. Wirklich beschissen war, dass alle immer wussten, wen wir ins Gebäude brachten. Das hat es definitiv schwer gemacht, heimliche Geschichten durchzuziehen oder solche, die man vielleicht bedauern würde.

Was war die krasseste Sexgeschichte, von der du im Wohnheim gehört oder selbst mitbekommen hast?

Sex in den Waschräumen. Wir mussten immer kontrollieren, was hinter verschlossenen Türen abging, um sicherzugehen, dass die Studenten es dort nicht miteinander treiben, rauchen oder was sonst. Ich musste das zum Glück nie erleben, aber ich habe Horrorgeschichten von anderen RAs gehört, die Leute mit heruntergelassenen Hosen erwischt haben. Ihre Betten waren wohl zu weit weg? Anscheinend pinkeln Studenten auch gerne Mal in die Waschmaschinen, was absolut widerlich ist.

Sandra, 22, McGill University

VICE: Du warst lange mit deinem Mitbewohner in einer Vierer-WG im Wohnheim zusammen. Erzähl mal.

Sandra: Ja, als wir eingezogen sind, haben wir miteinander geflirtet. Er war genau mein Typ: gebräunt, leichter südamerikanischer Akzent, witzig. Wir haben es dann bescheuerterweise ein paar Tage nach Semesterbeginn miteinander getrieben und uns ineinander verknallt.

Wie war euer Sexleben?

Wir haben eigentlich jeden Tag gevögelt, außer manchmal, wenn ich zu müde war und solche Sachen. Du weißt schon … Ich schätze, es gibt diese Erwartung, dass man mehr Sex hat, wenn man mit seinem Partner zusammenlebt—was wir auch hatten—, aber ausgesucht hatten wir uns das nicht wirklich. Wenn ich die Wahl gehabt hätte, mit ihm zusammen zu sein und nicht zusammenzuleben, dann hätte ich mich dafür entschieden.

Wie fanden eure anderen Mitbewohner das?

Die beiden Mädchen, mit denen wir zusammengewohnt haben—eine ist lesbisch und die andere hat ständig gelernt—, hat das nicht groß interessiert. Ich glaube aber, dass bei uns deswegen in der Wohnung schon zwischendurch eine passiv-aggressive Stimmung herrschte. Unser Sex war ziemlich laut und wir haben aufgehört, uns wirklich drum zu kümmern, sobald es normal wurde.

Aber ihr habt euch dann getrennt. Hatte eure Wohnsituation damit zu tun?

Es war, ehrlich gesagt, einfach ein richtig blöder Ort für Sex oder irgendwas Beziehungsmäßiges. Du lebst da mit Menschen zusammen, die nicht besonders reif sind und wild zusammengewürfelt wurden, und machst dann alles in nächster Nähe zu anderen Leuten, die ständig Party machen, rumvögeln und überhaupt. Es lenkt einen ziemlich ab. Du hast diese ganzen sozialen Faktoren in deiner Beziehung, die du normalerweise nicht haben würdest.

Callum, 21, Toronto, Ryerson University

VICE: Hattest du jemals Sex im Wohnheim?

Callum: Singt Adele „Hello“? Ja, die Antwort lautet: Ja.

Deine Meinung zu Flurzest? Gibt es Tabus, was das Zusammenleben im Wohnheim angeht?

Ich will nicht bestreiten, dass ich was mit Menschen von meinem Flur hatte. Ich meine, was erwartest du? Du nimmst einen Haufen Teenager und steckst sie alle in ein Gebäude.

Als schon geschlafen hatte. Natürlich passiert so was, aber ich weiß noch, wie unentspannt dann alles wird, wenn man merkt, dass du und dein Freund eure Dinger am gleichen Ort hattet, wenn du verstehst, was ich meine.

Glaubst du, dass dein Wohnsituation dein Liebesleben beeinflusst hat?

Ich habe in so einem Einzelzimmer gewohnt—zum Glück! Zuerst war ich sauer, weil ich unbedingt in eine WG wollte, aber man hat so viel mehr Freiheiten in einem Einzelzimmer. Ich persönlich will nicht, dass andere wissen, mit wem ich schlafe oder wie sehr ich mich durch die Gegend schlafe. Nicht, dass ich ein wirkliches Problem damit hätte. Sex ist super und wenn du Sex magst, dann los. Ich bin nur ein komischer Typ. Hätte ich kein Einzelzimmer gehabt, hätte mein Bett wahrscheinlich viel weniger Action gesehen.

Irgendwelche erwähnenswerten Anekdoten?

Meine Etage war im ersten Jahr wirklich unglaublich sexpositiv. Wir hatten eine Wand, an die wir geschrieben haben, wie viel Sex wir alle in dem Wohnheim haben. Am Semesterende war die Tafel ziemlich voll. Ich erinnere mich noch an ein paar Mal, als ich nach Hause gekommen bin und Sexgeräusche den Flur entlang hallen gehört habe.

ich erinnere mich auch, wie vier Freunde und ich einmal was mit der gleichen Person hatten. Das war für uns alle ein bisschen unangenehm. Eine andere unangenehme Geschichte war, wie ich einmal nach dem Sex aus dem Zimmer gegangen bin und meine Studenten mir und der anderen Person beim Verlassen zugeschaut haben—mit diesem Walk-of-Shame-Look. Wohnheimwände sind einfach viel zu dünn.

Brie, 20, Dalhousie University

VICE: Du hast mal erwähnt, dass du Sex auf dem Boden des Gemeinschaftsraum hattest. Kannst du mir mehr erzählen?

Brie: Klar! Es war während der Reading Week und die meisten Leute waren weg. Ich und dieses Mädchen standen total aufeinander—wir verbrachten das ganze Wochenende zusammen. An diesem Nachmittag waren wir ziemlich high und das Gebäude war quasi leer. Also haben wir einfach angefangen, überall zu vögeln. In den Badezimmern, hinter den Gebäuden, in den Fluren und im Gemeinschaftsraum.

Kannst du das etwas genauer beschreiben?

Wir haben rumgemacht, uns gegenseitig gefingert—also leicht. Kein richtiges Scissoring oder so. Wir haben uns gegenseitig aufgegessen, wenn das irgendwie Sinn ergibt.

Ich nehme einfach mal an, dass du das wörtlich und im übertragenen Sinne meinst. Was hältst du von Menschen, die in Wohnheimen viel rumvögeln?

Das kann definitiv Spaß machen, aber du solltest erst eine Verbindung zu den Menschen aufbauen. Ich kann gar nicht zählen, wie viele von meinen Bekannten irgendeinen Mist mit uncoolen Leuten angestellt haben, die sie danach nie wieder gesehen haben. Geschlechtskrankheiten, Vergewaltigungen, solches Zeug ist verdammt furchteinflößend und definitiv nicht den kurzen Fick wert. Wenn du jemanden ficken willst, dann nimm dir die Zeit, die Person kennenzulernen. Wenn das bedeutet, dass du masturbieren musst, um diese Gefühle aus deinem Körper zu bekommen, dann mach es.

Marcus, 18, University of British Columbia

VICE: Beschreib mir Wohnheimsex in einem Satz.

Marcus: Hm, viel Gestöhne in einem Gebäude, das wie ein Gefängnis aussieht.

Sehr schön. Was war die peinlichste Sexerfahrung, die du im Wohnheim je gemacht hast?

Mir ist mal jemand ins Zimmer geplatzt, während ich einen geblasen bekommen habe.

Wer?

Reinigungspersonal. Ich war im Wohnzimmer und die sind einfach rein—es muss wohl Putztag gewesen sein und ich wusste das nicht. Die sind total durchgedreht und haben meinem Flur-Manager davon erzähl, aber ich habe es abgestritten. Außer einer Ermahnung und einer Strafzahlung gab es aber nichts, was groß passieren konnte.

Was? Du musstest dafür bezahlen?

Ja, ich glaube, das gilt dann als Erregung öffentlichen Ärgernisses oder so, weil wir das in dem gemeinschaftlichen Wohnzimmer gemacht haben. Keine Ahnung. Meine Eltern haben es bezahlt. Die wussten aber nicht, wofür die Strafe war.

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OUTSIDER: Wie aus einem ambitionierten Bewerbungsvideo ein Kultfilmmeisterwerk wurde

Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen, im Filmgeschäft fußzufassen, entschied sich der ehrgeizige Schauspieler und Drehbuchautor Laz Rojas dazu, Hollywood mit einem ambitionierten Bewerbungsfilm auf sich aufmerksam zu machen. Er demonstrierte sein vielseitiges Talent in einem vierstündigen Streifen, in dem er 102 verschiedene Rollen spielte—Männer, Frauen, Kinder und Aliens—und ganz allein ein komplettes Universum erschuf. Er schickte das Band an jeden Produzenten, jedes Studio und jeden Manager, den er finden konnte, aber sollte nie eine Antwort erhalten.

In unserer neusten Folge von OUTSIDER—einer Webserie, in der wir die eigenwilligen Köpfe hinter den seltsamsten Filmen aller Zeiten aufspüren—macht VICE Rojas ausfindig, der jetzt unter unsicheren Umständen in Los Angeles lebt. Wir decken das Geheimnis hinter diesem Mann und seiner Arbeit auf und setzen uns mit seiner unwahrscheinlichen Neuentdeckung durch Kultfilmfanatiker auseinander. Hier kannst du dir ausgewählte Szenen aus seinem Film anschauen.

Freunde von Laz haben eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um ihm und seiner Mutter dabei zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Hier kannst du sie unterstützen.

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Comics: Eine Kiffer-Eule, ein Junkie-Werwolf und Kopfschmerzen aus der Hölle

Mehr von Simons Arbeiten findest du bei Instagram. Außerdem solltest du mal seinen Webstore sowie sein neues Buch auschecken.

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OUTSIDER: Schau dir an, wie dieser Schauspieler in seinem DIY-Film 102 verschiedene Rollen spielt

Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen, im Filmgeschäft fußzufassen, entschied sich der ehrgeizige Schauspieler und Drehbuchautor Laz Rojas dazu, Hollywood mit einem ambitionierten Bewerbungsfilm auf sich aufmerksam zu machen. Er demonstrierte sein vielseitiges Talent in einem vierstündigen Streifen, in dem er 102 verschiedene Rollen spielte—Männer, Frauen, Kinder und Aliens—und ganz allein ein komplettes Universum erschuf. Er schickte das Band an alle Produzenten, alle Studios und alle Manager, die er finden konnte, aber sollte nie eine Antwort erhalten.

Hier kannst du dir ausgewählte Szenen aus Rojas legendärem Film anschauen, den er zwischen 1992 und 1994 eigenhändig geschrieben, gedreht, geschnitten und gespielt hat. Hier kannst du dir unsere Dokumentation über Rojas ansehen. OUTSIDER ist unsere Serie über die Menschen hinter den seltsamsten Filmen aller Zeiten.

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Warum ein Tag im Grünen tatsächlich einen positiven Einfluss auf unsere psychische Gesundheit hat

Illustration: Dan Evans

Bist du nach einem Tag im Grünen auch schon mal nach Hause gekommen und hast dich irgendwie … besser gefühlt? Besser gelaunt, entspannter, ruhiger? Es wirkt naheliegend, dass es gut für unsere Psyche ist, von Zeit zu Zeit aus der Betonhölle der Stadt zu entkommen. Doch erst vor Kurzem haben sich auch Wissenschaftler mit der Frage beschäftigt, ob Blumen, Gras, Bäume und wilde Tiere zur Behandlung von Depressionen oder Angststörungen eingesetzt werden könnten.

Das Konzept der Ökotherapie—also die Idee, eine Verbindung zur Natur herzustellen, um unser Wohlbefinden zu steigern—ist nichts Neues. Schon 1984 hat Edward O. Wilson in seinem Buch Biophilia die Theorie aufgestellt, dass der Ursprung unserer Naturverbundenheit in unserer Biologie und unseren Genen verankert ist. Ungefähr zur selben Zeit, als Wilson sein Buch geschrieben hat, begann ein japanischer Arzt, seinen Patienten Shinrin-yoku, also Waldbaden, zu verschreiben. Im 19. Jahrhundert prägte der norwegische Dichter Henrik Ibsen den Begriff „Friluftsliv“, was so viel heißt wie „an der frischen Luft leben“. Schon nach kurzer Zeit hat sich Friluftsliv zu einem kulturellen Phänomen in Skandinavien entwickelt. Jedoch fehlte es bisher an stichhaltigen wissenschaftlichen Beweisen, um die Erfahrungsberichte, dass sich der Aufenthalt in der Natur positiv auf unsere psychische Gesundheit auswirkt, zu untermauern. Das ist nun anders.

Im April veröffentlichte Peter James gemeinsam mit einem Team der Havard University eine Studie über den Zusammenhang zwischen dem Aufenthalt im Grünen und der Sterblichkeitsrate. Hierfür wurden 100.000 Krankenschwestern aus allen Teilen der USA über einen Zeitraum von acht Jahren untersucht. Dabei haben die Forscher festgestellt, dass die Sterblichkeitsrate bei den Personen, die in den grünsten Gegenden leben, um 12 Prozent niedriger war als bei denjenigen, die in den am stärksten bebauten Gebieten leben. Um herauszufinden, welche Faktoren zu diesem Ergebnis führten, sammelten die Forscher Informationen über ärztlich diagnostizierte Fälle von Depressionen und Fällen, in denen Antidepressiva verschrieben wurden. Anhand der geringeren Depressionsraten wurde bestimmt, in welchen Gegenden die Menschen psychisch gesünder waren, was nach Einschätzung der Wissenschaftler fast 30 Prozent der Vorteile ausmacht, in einer grüneren Gegend zu leben.

„Die Größenordnung war überraschend“, sagt Peter. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung zeigen, dass Wilsons Theorie der „Biophilie“ korrekt ist: „Es hat direkte kognitive Vorteile und einen stärkenden Effekt, sich in der Natur aufzuhalten—ein Mechanismus, den wir in der Natur entwickelt haben, um es zu genießen, in der Natur zu sein.“

Peter hebt jedoch auch hervor, dass man deshalb nicht unbedingt aufs Land ziehen muss. Rund drei Viertel der Menschen in Deutschland leben in städtischen Gebieten und die Studie spricht dafür, dass auch kleine Dinge wie begrünte Straßen oder mehr Parks einen bedeutenden positiven Einfluss auf unsere Gesundheit haben können.

Ich bin ein echter Naturjunkie und kann diese Einschätzung nur bestätigen. Ich liebe den Pfirsichbaum, der vor meinem Schlafzimmerfenster steht, in dem ich auch oft arbeite. Im Frühling ist der Baum voller cremefarbener Blüten und leuchtend grüner Blätter. Letztes Jahr hat mein Nachbar ein Baugerüst aufgestellt, das meine Sicht auf den Baum blockiert hat. Ich war überrascht—und auch ein wenig baff—wie stark meine Laune davon beeinflusst wurde, dass ich den Baum nicht sehen konnte.

Motherboard: Geheimes Agentenwissen: Die besten Outdoor-Survival-Tipps

Studien haben gezeigt, dass sich tatsächlich auch so kleine Dinge wie ein Pfirsichbaum, den man jeden Tag sieht, positiv auf unsere psychische Verfassung auswirken können. Vor Kurzem ist ein Bericht von der Organisation Natural England erschienen, der gezeigt hat, dass Menschen, die unter psychischen Problemen leiden, davon profitieren an naturorientierten Aktivitäten teilzunehmen. Diese wiederum tragen dazu bei, Ängste, Stress und Depressionen abzubauen.

MindFood ist eine Kleingartensiedlung in Westlondon, wo Kurse angeboten werden, bei denen Leute lernen sollen, wie sie Einfluss auf ihr psychisches Wohlbefinden nehmen können. Die Kurse richten sich an Leute mit verbreiteten psychischen Problemen und bieten ihnen die Möglichkeit, mit anderen zusammenzuarbeiten, sich um den Garten zu kümmern, neue Fähigkeiten zu erlernen und von den Vorteilen leichter körperlicher Bewegung zu profitieren.

Lucy Clarke ist eine der Klienten von MindFood. Nach einer depressiven Phase hat sie sich dem Projekt angeschlossen. Sie wollte etwas zu tun haben, bevor sie wieder in ihren Job zurückkehrt. Der Kurs hat unter anderem einen sehr praktischen Nutzen: „Die regelmäßigen Besuche im Schrebergarten geben mir ein wenig Struktur. Es verleiht dem Leben einen Sinn, wenn man ihn am dringendsten benötigt“, sagt sie.

Es hat auch etwas Stärkendes, sein Essen selbst anzubauen: „Man verliert sich selbst im Moment, man vergisst alles um sich herum, wenn man sich um etwas kümmert, das größer ist als man selbst, und wenn man genau hinsieht, dann sieht man, dass die Natur eine unendliche Quelle an Wundern ist.“

„Die Arbeit im Freien bringt dich raus aus deinem Kopf und zurück in die Welt.“

„Kurz gesagt: Die Arbeit im Freien bringt dich raus aus deinem Kopf und zurück in die Welt“, sagt Ed Harkness, einer der Mitarbeiter des Projekts. Der Großteil der Teilnehmer, sagt Ed, wird durch ihren Hausarzt oder die Initiative „Verbesserter Zugang zu psychologischen Therapien“ des Staatlichen Gesundheitsdienstes oder irgendeine andere behandelnde Institutionen auf das Programm aufmerksam. „Die Gesellschaft verändert sich und wir sind nicht die einzigen, die festgestellt haben, dass Präventionsprogramme äußerst wichtig sind“, sagt Ed. „Egal bei welchem Wetter oder wie klein und städtisch der Garten auch sein mag, der Gärtner lernt, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Seine Hände in der Erde zu haben und regelmäßigen Aufgaben wie Jäten oder Sähen nachzugehen, hilft den Leuten dabei, die eigene Energie zu bündeln, und gibt ihnen die Freiheit, aus dem üblichen Hintergrundrauschen aus Gedanken und Gefühlen auszubrechen.“

In manchen Gegenden sind die Ökotherapie und das „biophile“ Denken auf dem Vormarsch. In Südkorea gibt es bereits drei therapeutische „heilende Wälder“ (34 weitere sind für 2017 geplant). In Schweden werden gestressten Arbeitern virtuelle Naturerlebnisse verschrieben. Und vielleicht werden auch uns bald „Vitam G“ (Grün) und „Vitamin N“ (Natur) vom Hausarzt verschrieben.

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Kotze, Analketten und Kruzifixe: Was man so alles in seiner neuen Wohnung findet

Ein Überbleibsel von den vorherigen Bewohnern meiner jetzigen Wohnung. Auf die fehlenden Teile bin ich noch nicht gestoßen

Vor zwei Jahren bin ich zusammen mit zwei Kommilitoninnen in eine Zweizimmerwohnung gezogen. Besagte Wohnung war dabei in einem ziemlich schlimmen Zustand: Ich musste mit Cola den Dreck von den Wänden schrubben und die Rohre reinigen. Im Gemüsefach des Kühlschranks sowie auf meiner Matratze befand sich etwas, das wie Blut aussah. Die vorherigen Bewohner hatten uns außerdem noch ein paar ihrer Sachen in einem Schrank hinterlassen, aber wir durften nichts davon wegwerfen, denn die Bank war gerade dabei, die Wohnung zwangszuversteigern. Wir waren quasi so etwas wie Zwischenmieter. Anstatt den ganzen Kram also wegzuschmeißen, entschloss ich mich dazu, Fotos davon zu machen. Alle Bilder in diesem Artikel zeigen deswegen (sofern nicht anders angegeben) die Sachen, die ich im Schrank der Vormieter gefunden habe.

Da ich mir außerdem noch sicher war, dass ich nicht der einzige Mensch sein kann, der beim Einzug in eine neue Wohnung auf Überbleibsel der vorherigen Bewohner gestoßen ist, habe ich mich bei Freunden erkundigt, ob ihnen auch schon mal etwas Ähnliches widerfahren ist.

Claudia, 23

Mein Freund und ich sind im April 2014 in eine Einzimmerwohnung in Bukarest gezogen. Der Vermieter war ein Taxifahrer im Ruhestand, der ungewöhnlich viel Interesse an uns zeigte—so fragte er mich zum Beispiel auch, auf welche Schule meine Eltern gegangen sind. Ich habe die Angewohnheit, meine Matratze zweimal im Jahr zu wenden, und da ich nicht davon ausging, dass der Vermieter das gemacht hatte, haben mein Freund und ich eben als Allererstes die Matratze umgedreht. So haben wir auch ein gebrauchtes Kondom am Kopfende des Betts gefunden.

Wir rätselten dann etwas herum, konnten uns aber nicht vorstellen, dass das Kondom vom einstigen Taxifahrer der Wohnung stammte. Eigentlich halte ich nur ein Szenario für plausibel: Eine Bekannte aus dem Studium hat mal vor mir in der Wohnung gewohnt und ich kann mir richtig gut vorstellen, wie sie dort ein letztes Mal mit ihrem Freund schlief und anschließend ihr Revier „markierte.“ Ich meine, das Ganze muss Absicht gewesen sein, denn ich glaube nicht, dass man einfach so spontan seine Matratze hochhebt, um darunter ein benutztes Kondom zu platzieren. Ich täuschte dann einfach ein Rückenleiden vor und schaffte es so, den Vermieter davon zu überzeugen, eine neue Matratze zu kaufen.

Christian, 25

Während meines Studiums in London zog ich 2011 in eine Einzimmerwohnung. Eine etwas ältere Dame, die wir immer nur Angie nannten, kümmerte sich um das Stockwerk, in dem ich lebte. Als ich einen ersten Blick unter mein neues Bett warf, fand ich dort eine Sammlung an alten englischen Porno-Magazinen—so 10 bis 15 Stück und alle aus den 50er Jahren. Die abgebildeten Frauen waren ziemlich fein angezogen und eine von ihnen hatte blonde Locken, riesige Titten und lag in einem schwarzen Badeanzug an einem Strand. Die ist mir besonders im Gedächtnis hängengeblieben. Ich habe Angie dann die Heftchen gezeigt und sie meinte nur: „Mein Gott!“ Irgendwie war der Fund aber auch nicht wirklich überraschend, weil vor mir ein Philosophiestudent in der Wohnung gelebt hatte.

Laura, 23

Vor ungefähr fünf Jahren zog ich von zu Hause aus und in die Dreizimmerwohnung ein, in der schon einige meiner Freunde wohnten. Die Wohnung gehörte einer jungen Frau, die jedoch im Ausland lebte—OK, genauer gesagt ihren Eltern, die aber schon tot waren. Als wir anfingen, zu renovieren, fanden wir im Wohnzimmer einen kleinen Schrank, den noch niemand von uns geöffnet hatte. Darin lag ein Fotoalbum mit ganz vielen alten Schwarzweiß-Bildern, auf denen Kinder zu sehen waren—ich vermute bei einer traditionellen christlich-orthodoxen Taufe. Auf einer Seite hatte man auch eine Strähne braunes Haar geklebt. Wir haben das Ganze dann weggeschmissen, nachdem die Wohnungsbesitzerin uns das erlaubt hatte.

Die Schätze aus den beiden Wohnungen von Clau

Clau, 26

2014 ließ ich endlich die Studentenwohnheime hinter mir und zog zusammen mit ein paar Freunden in eine alte Villa in Bukarest. Auf dem Dachboden fanden wir dann eine Kiste voll mit Schaumstoffkügelchen, die eine riesige Glasbong schützten. Wir wussten nicht genau, was für Leute vor uns in der Villa gewohnt hatten, aber wir führten die Tradition fort und die Bong wurde zu unserem treuen Mitbewohner.

Anfang 2016 bin ich dann erneut umgezogen. Das Haus, in dem ich jetzt wohne, gehört einer etwas älteren Frau, die in Deutschland als Physiklehrerin arbeitet. In ihrem Zimmer haben wir einen Teddybären gefunden, der auch direkt aus einem Albtraum stammen könnte. Wir haben das Teil natürlich nicht angerührt—es sitzt immer noch auf der Kommode und starrt in die hintersten Ecken deiner Seele. Normalerweise halte ich mich nicht im Zimmer der Frau auf, aber ich spüre ständig, wie der Teddybär da ist und mich beobachtet. Und daran wird sich wohl so schnell auch nichts ändern.

Motherboard: Mein Freund, der Messie

Andrei, 20

Ich bin 2014 in eine neue Wohnung gezogen, um näher bei meiner Schule zu wohnen. Besagte Wohnung gehörte einer Frau Mitte 40, die eine Weile zuvor ins Ausland gezogen war. In ihrem Schlafzimmerschrank fand ich dann ein paar Peitschen, die scheinbar schon einiges mitgemacht hatten, denn deren Enden waren schon richtig abgenutzt. Ich habe die Teile dann einfach weggeschmissen und das Thema nie angesprochen.

Vergangenen Frühling zog ich dann erneut um und stieß in der neuen Wohnung, die einem älteren Ehepaar gehört, auf etwas ganz Anderes: Als ich die Möbel im Schlafzimmer verrücken wollte, fand ich hinter dem Bett einen Haufen Kotze. Das Erbrochene war schon richtig ausgetrocknet und muss so zwei Tage alt gewesen sein. Ich habe das Zimmer daraufhin erstmal ordentlich geputzt, weil ich nicht wusste, was ich sonst hätte tun sollen.

Ema, 23

2014 entschied ich, dass es an der Zeit war, zu meinem Freund zu ziehen, mit dem ich schon drei Monate zusammen war. Er hatte vorher mit seiner Ex zusammengelebt und mit dieser Tatsache wurde ich dann auch konfrontiert, als ich meine Klamotten in den Schrank hängen wollte und dort einen Badeanzug, Oberteile und Socken von ihr fand. In einer Schublade voller Überraschunsgsei-Fuguren stieß ich außerdem auf einige Fotos von einer jungen Frau mit Sonnenbrille.

Besagte Fotos und Figuren gehörten natürlich seiner Ex, mit der mein Freund schon über sechs Monate nicht mehr zusammen war. Er meinte dann, dass ihm das Zeug nie aufgefallen wäre, und ich glaube ihm. Ich habe dann alles von ihr einfach weggeschmissen und mir gesagt, dass ich im Falle meines Auszugs alle zurückgelassenen Sachen an einen Ort packe, damit das Mädchen nach mir nicht so viel Stress hat. Mein Freund und ich sind jedoch quasi unzertrennlich.

Eduard, 23

Vor zwei Jahren bin ich nach den Semesterferien zurück nach London und zog dort in eine neue Wohnung, die einem kleinen und ziemlich arroganten Typen gehörte. Das Apartment war wirklich super, aber eines Tages musste ich dann mal in den Keller, um die Sicherung nach einem Stromausfall wieder zu richten. Dort stieß ich dann auf eine alte Matratze, einen Kinderwagen und sechs große Tüten voll mit Kinderspielzeug. Außerdem hing an der Wand ein Bild, auf das etwas auf Arabisch geschrieben worden war. Als ich irgendwann später erneut in den Keller musste, bekam ich den Eindruck, als ob man dort noch mehr Tüten abgeladen hätte.

Andreea, 23

Ich habe mich dieses Jahr auf die Suche nach einer Eigentumswohnung gemacht und in Bukarest sogar eine ganz schöne Immobilie gefunden. Eine Maklerin hat mir das Objekt dann gezeigt, aber ich sah mich auch selbst noch mal um, während sie telefonierte. Mir war zwar bewusst, dass eine Frau in der Wohnung gestorben war, aber ich habe trotzdem nicht erwartet, im Badezimmer auf so viel zurückgelassenes Zeug zu stoßen. An der Tür hing zum Beispiel ein altes, orange-gestreiftes Hemd inklusive Muster aus der Sowjet-Ära. Obwohl das Hemd so alt war, machte es einen einwandfreien Eindruck. Im Allgemeinen sah das ganze Badezimmer so aus, als würde die Frau jeden Moment wieder auftauchen. Das war irgendwie schön, aber gleichzeitig auch richtig unheimlich. Ich glaube nicht, dass sich die Maklerin dessen bewusst war. Ich habe die Wohnung letztendlich dann doch nicht gekauft. Ohne das Hemd wäre es jedoch vielleicht anders gekommen.

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Wie ich dazu gekommen bin, in den 70ern Zehntausende LSD-Pappen zu produzieren

Leaf Fielding als Mitglied von Großbritanniens LSD-Ring | Foto mit freundlicher Genehmigung von Leaf Fielding

Letzten Monat habe ich mich mit Stephen Bentley unterhalten—einem der verdeckten Ermittler, die am größten LSD-Fund Großbritanniens beteiligt gewesen waren. Ich wollte alle Einzelheiten über die Aktion erfahren und wissen, was für psychische Auswirkungen die Arbeit Undercover auf einen hat. In Anbetracht des Rufs, den der ziel- und wahllose Krieg gegen Drogen momentan genießt, hatte ich zwar erwartet, dass er ein wenig verbale Prügel abbekommen würde, ich war dann aber doch überrascht, wie viel Hass ihm aus den Kommentaren entgegenkam.

Ein Leser bezeichnete Bentley als „Sauerstoffverschwendung“, ein anderer als „verrücktes Arschloch“. Um ehrlich zu sein, hielt ich Bentley—auch wenn ich nicht der Meinung bin, dass LSD illegal sein sollte—für einen aufrichtigen Typen, der einfach nur seinen Job macht. Als Polizist kannst du halt nicht einfach je nach Tageslaune aussuchen, welche Gesetze du durchsetzen willst und welche nicht.

Bentley hatte in dem Artikel gesagt, dass er von schweren Schuldgefühlen geplagt wird und sich fragt, ob ihm diejenigen, die er ins Gefängnis gebracht hat, das übel nehmen würden. Auch nicht zuletzt wegen der ganzen Kommentare war ich ebenfalls neugierig darauf geworden. Waren die Hippies, die wegen seiner Ermittlungen langjährige Haftstrafen absitzen mussten, so sauer auf ihn wie die Kommentatoren des Artikels? Oder waren sie ihrem ‚Love and Peace‘-Ethos treugeblieben und hatten ihm vergeben?

Deswegen habe ich Leaf Fielding kontaktiert, um mehr darüber zu erfahren. Fielding gehörte damals zu den Schlüsselfiguren und auch ein Buch über seine Rolle im Drogenring geschrieben. Ich habe ihn bei Gelegenheit dann auch direkt zu seiner Rolle im LSD-Netzwerk gefragt, schließlich wollte ich mir keine Information über Großbritanniens größte LSD-Gang entgehen lassen.

VICE: Hi Leaf, kannst du mir erzählen, wie du damals in dem Netzwerk gelandet bist?

Leaf Fielding: Ich war 18, als ich zum ersten Mal LSD genommen habe. Ich hatte davor noch keinerlei Drogenerfahrungen und keine Ahnung, was ich eigentlich mache. Wenige Stunden später war ich davon überzeugt, das Elixier des Lebens gefunden zu haben—die Substanz, die den Kalten Krieg schmelzen und Friede und Harmonie über die ganze Menschheit bringen würde. LSD hat mein Leben für immer verändert, meine Welt war plötzlich von Schwarz-Weiß auf Farbe umgestellt worden. Ich sah, dass alles auf dieser Welt ein schimmernder Tanz aus Energie ist—und auf der höchsten Ebene sind wir alles eins.

Das klingt nach einem ordentlichen Trip. Was ist danach geschehen?

Ich habe mein Studium abgebrochen und bin Hippie geworden. Dann tauchte eine Ladung flüssiges LSD in Reading auf und ich war einer von zwei Dealern, die es verkauften. Als unsere Vorräte erschöpft waren, entschied ich mich dazu, mich inspiriert von Kerouac auf eine Reise zu machen. Ich nahm die Fähre nach Calais und zog zu Fuß und per Anhalter weiter zum Mittelmeer. Danach verbrachte ich ein paar Jahre mit Reisen—größtenteils in Asien. Mir wurde dann ein Job als „Tabletter“ bei dem Londoner Arm des LSD-Netzwerks angeboten, nachdem ich einen erfolgreichen Trip nach Thailand absolviert hatte, bei dem ich mehrere Kilo des stärksten Gras überhaupt nach Großbritannien geschickt hatte.

Was macht ein „Tabletter“?

Das lief so: Ich bekam zehn Gramm reine LSD-Kristalle vom LSD-Labor. Mein Job war es dann, daraus 50.000 gleich starke Microdots zu machen. Ich löste die Kristalle in einer bestimmten Menge Wasser auf, gab ein wirkungsloses Pulver und etwas Lebensmittelfarbe hinzu und rührte das Ganze durch, bis daraus eine feste Paste geworden war. Mit Handschuhen rieb ich die Paste dann über 50 Plastikbretter, in die jeweils 1.000 Löcher gebohrt waren. Danach kamen die Bretter auf ein Gestell zum Trocknen.

Die Pillen schrumpften beim Trocknen ein bisschen, wodurch es dann leichter wurde, die Microdots mit dem 51. Brett—das nicht Löcher sondern Stacheln hatte—aus den Brettern in kleine Plastiksäcke zu drücken. Eine Ladung von 50.000 dauerte in der Regel ein paar Stunden. Nachdem ich bei dieser Arbeit versehentlich mal eine massive Überdosis erlitten hatte, tauschte ich mit einem Freund. Er machte daraufhin die Tabletten und ich kümmerte mich um den Vertrieb.

Hattest irgendeinen Verdacht, dass ihr infiltriert worden wart?

Nicht bis kurz vorm Ende. Tatsächlich war ich einer der Letzten, die als Mitglied des Rings identifiziert worden waren. Ich war ihnen nur ins Netz gegangen, weil sie die Telefone angezapft hatten. Obwohl vor allem die Waliser Teile des Netzwerks im Zentrum der Polizeiermittlungen standen, war es die Londoner Gruppe, die einen Großteil des Acids produzierte.

Zum Thema: Walking Heavy—Die Geschichte von Großbritanniens berüchtigtstem Ex-Verbrecher

Bist du noch sauer auf Bentley und seine Kollegen, weil sie dich hochgenommen haben?

Bentley war einer von denen, die mich vernommen haben, und ich kann mich nicht über ihn beschweren. Sein Hauptproblem war, dass er mit seinem Eintritt in den Polizeidienst die Verantwortung für sein Leben abgetreten hatte. Bei der Polizei und beim Militär musst du tun, was dir befohlen wird—und du musst dann mit den Konsequenzen leben.

Was heißt es für dich, dass er im Zuge der Ermittlungen selber Drogen genommen hat? Einige Menschen scheinen ziemlich sauer darüber zu sein.

Das wundert mich nicht. Ich würde sagen, dass es extrem scheinheilig ist, wenn man andere Leute für etwas hochnimmt, was man selbst tut. Mir ist schon klar, dass die Menschen, die Operation Julie geleitet haben, das als notwendig sahen, aber damit haben sie jeden moralischen Vorsprung verspielt, den sie vielleicht zu haben geglaubt hatten. Wir müssen alle mit den Konsequenzen unserer Taten leben. Ich persönlich könnte nicht gutheißen, mich so zu verhalten, wie sie das getan haben.

Die Menschen sind auch sauer auf ihn, weil in den Medien viel darüber berichtet wurde, wie diese Ermittlungen den Krieg gegen Drogen ins Rollen brachten. Wie siehst du das?

Der Krieg gegen Drogen hatte da bereits begonnen. Die Ermittlungen haben ihm vielleicht Aufmerksamkeit beschert, ihn aber nicht entfacht.

Du bist am Ende für fünf Jahre im Gefängnis gelandet. Wie war das?

Es war natürlich grauenvoll, aber wurde etwas dadurch abgelindert, dass wir eine große Gruppe waren, die allesamt ziemlich dick im Geschäft gewesen waren. Das hat uns einen gewissen Status gegeben und keiner der anderen Insassen hat uns Probleme gemacht. Aber allein die Tatsache, dass wir für Jahre weggesperrt waren, hat uns ziemlich zugesetzt.

Leaf heute

Was hast du nach deiner Freilassung gemacht?

Über meine Haftzeit bin ich hinweggekommen, indem ich ein Jahr durch Indien gereist bin. Das hat mir dabei geholfen, mein System von den emotionalen Giften zu reinigen. Ich habe außerdem eine Ausbildung zum Sprachlehrer gemacht und bin nach Spanien gezogen, wo ich mehrere Jahre eine Sprachschule geleitet habe.

Nachdem ich 8.000 Britische Pfund in der Lotterie gewonnen hatte, bin ich mit einem Freund nach Malawi gereist und im neuen Jahrtausend wieder dorthin zurückgekehrt. Angesichts des sichtbaren Verfalls und der Verheerungen durch Aids bin ich dann mit dem festen Entschluss nach Europa zurückgekehrt, ein Waisenheim für ein paar der obdachlosen Waisen zu bauen. Wir haben 10.000 Britische Pfund gesammelt und mit dem Geld das Warm Heart Hostel für obdachlose Mädchen gebaut. 2003 wurde es eröffnet. Das ist zwar wie ein Tropfen im Ozean, aber immerhin haben wir das Gefühl, etwas getan zu haben.

Motherboard: Die LSD-Fans, die ihren Alltag im Microdosing-Rausch verbringen

Nimmst du immer noch psychedelische Drogen oder hat dir deine Haft die Lust darauf genommen?

Ich habe seit meiner Freilassung ein paar mal Pilze gegessen. Ich schätze, dass ich jetzt zum Ende meiner langen und fruchtbaren Reise mit psychedelischen Drogen gekommen bin, aber so sicher weiß man das nie.

Danke, Leaf.

Mehr über Leafs Tätigkeit im LSD-Ring kannst du in seinem Buch To Live Outside the Law lesen. Bald erscheint auch ein zweites Buch von ihm mit dem Namen Leaf by Leaf: Adventures on Four Continents.

von
NewsRaider.de

Warum man das Label „Langzeit-Single“ abschaffen sollte

Foto von der Autorin

Letztens
saß ich mit meinen zwei besten und gleichaltrigen Freundinnen
zusammen. Beide sind in Langzeit-Beziehungen—heutzutage
spricht man ja ab drei Jahren von einer
Langzeit-Beziehung—und glücklich damit. Beide wären auch
grottenschlechte Singles. Sie können alleine nicht einschlafen, sie
waren nie wirklich lang genug Single und Feiern war auch
nicht so ganz ihr Ding. Ich sitze seit drei, bald vier Jahren alleine
in meinem
WG-Zimmer,
schaue
Game of Thrones und esse
verkatert kalte Pizza. Sie sind glücklich, ich bin es auch.

So
weit, so gut. Bis zu dem Zeitpunkt, als eine der beiden den Satz
fallen ließ: „Na ja, du bist ja
Langzeit-Single.
Finde ich eh gut, wie du damit umgehst.“ Die Zweite ergänzte: „Du
bist ja eher der Single-Mensch. Ist ja nicht schlimm.“ Dass es
nicht schlimm ist, weiß ich. Ob die beiden das wissen, wage ich zu
bezweifeln. Als Single-Menschen sehe ich mich trotzdem nicht. Ein
paar Wochen später schreibt ze.tt den Artikel “
Warum Langzeit-Singles die besseren Partner sind“.

Das
Wort Langzeit-Single begegnet mir im Alltag viel öfter als früher.
Vielleicht liegt es daran, dass ich inzwischen selber unter dieses
undankbare Label falle. Vielleicht ist es meine selektive
Wahrnehmung. Oder es liegt daran, dass die so oft besungene
„Generation Beziehungsunfähig“ nun mal zwangsläufig mit dem
Label „Langzeit-Single“ Hand in Hand geht.

Dabei
halte ich meine Single-Freunde und mich selbst nicht für
beziehungsunfähig. Eher für klug. Die meisten haben eine längere
Beziehung hinter sich und wollen sich eine traumatische Trennung
ersparen. Oder sie wollen nicht mit einem Kompromiss eine Beziehung
eingehen. Ich zähle mich zur zweiten Gruppe—ich hätte in meinem
vierjährigen Single-Dasein mindestens zwei Mal eine Beziehung
anfangen können.

Beim
ersten Mal fehlten mir die Gemeinsamkeiten und der tiefere
Gesprächsstoff. Beim zweiten Mal fehlten mir die Gefühle. Es kann
sein, dass ich zu wählerisch bin—oder auch zu idealistisch. Ich
erwarte mir am Beziehungsanfang ein Feuerwerk der Gefühle, eine
komplette Wertschätzung meinerseits für das Gegenüber und alles,
was man kitschig zu „verliebt sein“ dazuzählt. Wenn es nicht da
ist, gehe ich keine Beziehung ein, weil ich vor meinem inneren Auge die Zukunft sehe.

Die
Zukunft, in der er mich nervt. Die Zukunft, wenn beide aus der
Beziehung rauswollen. Die Zukunft des Ausziehens, die Zukunft der
Streitigkeiten, weil wir andere Ziele verfolgen. Die Zukunft der
Schwierigkeiten, die sich aus der unterschiedlichen Lebensauffassung
ergeben. Die Zukunft, wenn der Sex nach der Pizza von vorgestern
schmeckt. Die Zukunft, in der ich mich von den Berührungen und der
Liebe entziehe—nur um wieder gebrochen am Boden der Single-Realität
zu landen. Es ist mir vollkommen bewusst, dass dieses Risiko bei
jedem Partner vorhanden ist.

Im Endeffekt sind wir uns ähnlicher, als wir denken—ich heule, lache, vögle, wüte und liebe genauso oft wie meine Freunde in Beziehungen.

Ich
weiß auch, dass mir das genauso gut mit jemandem passieren kann, der
mir dieses Gefühlsfeuerwerk am Anfang beschert hat. Ich glaube nur,
dass es ohne dieses Feuerwerk schneller und sicherer zu einer
Bruchlandung kommt. Ein zweiter Faktor kommt zu meinem
Langzeit-Single-Dasein noch dazu: Ich bin glücklich. Ich bin
aufrichtig glücklich mit meiner Situation.
Ich suche nicht aktiv nach einem Partner, ich schlafe lieber alleine
und ich habe mir seit meinem letzten Beziehungsende ein Leben
aufgebaut, das ich genauso leben möchte.

Als
Single wird man grundsätzlich von Beziehungsmenschen wie jemand Bemitleidenswertes angeschaut, der einfach noch kein Glück hatte. Ich weiß es,
weil ich selbst lange Beziehungen hinter mir habe. Während die zwei
Freundinnen mich daran erinnern, dass ich seit vier Jahren Single
bin, fühlt es sich für mich nicht so an. Da war ein halbes Jahr Typ
A, dann war da Typ B—in meiner gesamten Single-Zeit war ich für
mein Empfinden vielleicht vier Monate tatsächlich alleinstehend. Und
sogar da war ich mental mit irgendwelchen Typen beschäftigt.

Sie
hören zwar bei meinen Typ-Geschichten zu, werten es aber nur als
Beziehung, wenn es von beiden Partnern als solche deklariert wird,
wir eine gemeinsame Zukunft planen und den Alltag ohneeinander nicht
bestreiten wollen. Aber ich wollte nie eine feste Beziehung mit
diesen Typen. Ich habe eine eigene Beziehungsform ohne Zukunft, mit
lockerem Band, ohne Kompromisse und doch involviert in das Leben des
jeweils anderen geführt. Die Medien nennen es „Mingle“. Mixed
Single eben. Das Wort Langzeit-Single ist schon alleine wegen dieser
neuartigen Form von Sexbeziehung massiv veraltet und auch falsch.

Leute, die gerade Sex hatten: Boogie und Juice

Wörter,
die mit Langzeit beginnen—Langzeit-Arbeitslos, Langzeit-Single,
Langzeit-Urlaub—implizieren fast immer ein selbstverschuldetes
Verharren in einer Situation. Das Wort Langzeit-Single im Speziellen
deutet oft an, dass mich niemand möchte, ich ein Eigenbrötler bin
und bald fünf Katzen zu Hause habe. Wenn ich das Wort Langzeit-Single
höre, denke ich an Menschen, die ein jungfräuliches Leben führen,
ein Umstyling auf MTV brauchen und jeden Tag mit Tränen in den Augen
schlafen gehen, weil sie niemanden haben, der sie nachts wärmt.
Diese Menschen brauchen ziemlich sicher Hilfe (wenn auch nicht
unbedingt von MTV), aber ich gehöre nicht zu ihnen.

Oder
ich denke an Menschen, die gerne Party machen, sich pro Woche
sieben verschiedene Sexpartner erwarten und am Abend heulen, weil sie sich so unverstanden fühlen.
1950 war das wahrscheinlich auch noch so. Alternative
Beziehungsformen waren nicht wirklich existent und wenn man mit über
30 unverheiratet war, galt man auch fast automatisch als
unverheiratbar. Langzeit-Single
zu sein, war damals ein deutliches Zeichen für die Umwelt. Quelle:
Meine Großeltern.

Umgekehrt
haben Menschen, die von einer langen Beziehung sofort in die nächste
springen, damals wie heute nicht mit gesellschaftlicher Ächtung zu
tun. Auch für meine Freundinnen und ihre Partner steht fest: Mein
Leben ist schlechter und haltloser als ihres. Sie glauben, dass ich
nicht wirklich glücklich bin, weil ich noch auf der Suche bin.

Sie
haben Unrecht. Nur sitze ich am kürzeren Ast, weil die Aussage „Na ja, du bist in einer Langzeit-Beziehung. Finde ich eh gut, wie
du damit umgehst“ in der heutigen Gesellschaft wenig Sinn ergibt.
Auf das Wort Langzeit-Beziehung ist man stolz—es ist fast wie eine
neue Trophäe auf Snapchat, die man bekommt, weil man irgendein neues
Feature ausprobiert oder wieder einen Monat oder ein Jahr gemeinsam
rumbekommen hat.

Als
Vertreterin der „Generation Beziehungsunfähig“, der
Tinder-Jugend und der Mingle-Beziehungen muss ich sagen: Die meisten
meiner Leidensgenossen sind wahrhaftig glücklich. Wir sind die
wahren Romantiker. Vielleicht sind wir verschlossen und schwer zu
erobern—aber das ist nur ein Schutzmechanismus. Alle Dates, die ich
bisher hatte, und auch alle meine Single-Freunde haben sich ein Leben
aufgebaut, in dem es meistens um Freunde, Karriere und ihre
Ausbildung geht. Sie gehen keine Kompromisse ein und können sich
voll entfalten. Natürlich geht das mit einem Partner auch—aber
nicht mit jedem. Die meisten Langzeit-Singles sind sich dessen
bewusst.

Motherboard: Ist Fremdgehen in der Virtuellen Realität immer noch Fremdgehen?

Und
weil es doch einige von uns gibt, wäre es nett,
wenn man uns nicht wie Loser darstellen würde. Stattdessen wollen
wir wie die stolzen und eigenständigen Wesen gesehen werden, die wir
auch sind. Wir sind nicht promiskuitiv und wir sind auch nicht
beziehungsunfähig (und wenn schon?). Wir wissen einfach nur, was auf lange Sicht eben
nicht zu uns passt. Das macht uns sogar ziemlich beziehungsfähig,
würde ich meinen. Beziehungsweise: Unser Leben ist so toll, dass
uns ein ganz besonderer Mensch einfach umhauen muss, um uns zu einer
Veränderung unserer Lebenssituation zu bewegen.

Das
hat viel mit Reflexion zu tun und ein bisschen mit Unsicherheit.
Und ja, vielleicht hat Freundin Nummer 1 Recht: Vielleicht kommen wir
alle mit 35 darauf, dass die große Liebe Humbug ist, und flüchten in
genau die Art von Beziehungen, die sie und viele meiner
Beziehungsfreunde jetzt schon führen. Ein bisschen fahl, ein
bisschen leidenschaftslos. Nicht die Liebe
des
Lebens eben. Eine Beziehung, nur damit man eine Beziehung führt,
nicht für den
einen Partner. Aber
bis es so weit ist, möchte ich die Hoffnung noch nicht aufgeben. Ich
bin ja noch nicht 35.
Und wenn auch: Das Alter
spricht auch noch lange nicht gegen
Sexbeziehungen
.

Im
Endeffekt sind wir uns ähnlicher, als wir denken—ich heule, lache,
vögle, wüte und liebe genauso oft wie meine Freunde in Beziehungen.
Wir wollen alle eigentlich nur glücklich sein. Wir wollen alle
jemanden, der unser ratterndes Hirn abstellt. Der uns in alter
Disney-Manier auf seinem oder ihren weißen Fahrrad abholt, um dann
mit uns Richtung Sonnenuntergang zu einer netten Netflix-Session zu
radeln und mit uns kalte Pizza zu essen.

Wir
wollen genauso wenig längerfristig alleine bleiben wie
Beziehungsmenschen. Aber es ist wirklich OK, wenn wir bis dahin auch
mal länger alleine sind—unter anderem, weil wir
es nicht wirklich sind
Wir haben ein breites Freundesnetz und
unsere Liebschaften—während ihr zusammen einschlaft, schlafe ich neben
meinen Freunden ein.

Unser Ziel ist es auch nur, unsere
Everlasting
Love
kennenzulernen, wir denken nur nicht ständig aktiv
daran. Stattdessen kümmern wir uns um andere Baustellen im unseren
Leben. Weil wir Romantiker wissen, dass man die große Liebe eh nicht
suchen muss. Sie findet uns. Also hört auf, das Wort
„Langzeit-Single“ zu verwenden. Es ist schon mühsam genug, sich
vor den Großeltern jedes Mal erklären zu müssen.

Folgt
Fredi auf Twitter:
@Schla_wienerin

von
NewsRaider.de

Ist Instagrams letzte Neuerung homophob?

Wer dachte, der größte Fehltritt Instagrams dieses Jahr wäre das neue Logo-Design gewesen, der irrt gewaltig. Instagram hat schon in der Vergangenheit gezeigt, dass es einige Postings nicht handlen kann und sie deswegen gleich löscht. Frauennippel zum Beispiel (im Gegensatz zu Männernippeln) oder eine Frau mit Regelblutung auf ihrer Hose.

Jetzt scheint Instagram noch einen Schritt weiter in Richtung Vergangenheit gemacht zu haben. Denn die letzte Neuerung ist alles andere als 2016. Denn seit dem letzten Update sind jetzt auch die Hashtags #gays, #bi und #lesbian verboten. Ebenfalls auf der Liste der verbotenen Hashtags sind zum Beispiel Worte wie #blowjob, #ass oder #bigboobs. Das ist laut Instagram auch der Grund für den neuesten Ban, denn auch die weniger offensichtlichen Hashtags #gays, #bi und #lesbian würden vermehrt für nicht angebrachte Fotos verwendet, die den Richtlinien der App widersprechen.

Instagram verbietet außerdem Hashtags, die Selbstverletzung fördern: #proanorexia, #probulimia oder #selfharm zum Beispiel. #whitepower mag man dort auch nicht. Andere Hashtag-Verbote sind weniger nachvollziehbar. #like, #popular oder #wtf zum Beispiel. Wobei es vermutlich um die Eindämmung von Clickbait- und Fake-Accounts geht.

Die Richtlinien von Instagram sagen dazu Folgendes:

„Poste Fotos und Videos, die für eine vielfältige Zielgruppe geeignet sind. Wir wissen, dass es sein kann, dass Personen Bilder von Nacktheit als künstlerische oder kreative Darstellungsform teilen möchten. Aus verschiedenen Gründen ist die Darstellung von Nacktheit auf Instagram jedoch nicht zulässig. Das gilt auch für Fotos, Videos und einige digital erstellten Inhalte, auf denen Geschlechtsverkehr, Genitalien und Nahaufnahmen nackter Gesäße zu sehen sind. Dazu zählen auch einige Fotos, auf denen Brustwarzen von Frauen zu sehen sind. Fotos, die Narben nach einer Brustamputation oder aktiv stillende Mütter zeigen, sind jedoch erlaubt. Auch Nacktheit in Fotos, die Gemälde und Skulpturen abbilden, sind in Ordnung.“

Nein, Instagram ist nicht homophob geworden. Hashtags wie #queer, #lgbt, #bisexual, #gaylove, #homo oder #transgender sind immer noch erlaubt. Man kann in diesem Fall Instagram also dafür hassen, ein Problem mit Nacktheit zu haben und in Bezug auf sexuelle Inhalte generell ein bisschen sehr prüde zu sein. Aber die Absicht ist nicht die Diskriminierung einer sexuellen Orientierung—es geht um die Diskriminierung von Sexualität als solches.

Wie so vieles, was im sozialen Netz gebannt oder gelöscht wird, hat auch der neueste Instagram-Ban vor allem mit einem zu tun: der Überforderung der Seitenbetreiber mit der schieren Menge an Postings, in die sich nun mal auch Pornografisches mischt.

von
NewsRaider.de

So unmoralisch ist es, Kokain zu nehmen

Foto: Zxc | Wikimedia Commons | Public Domain

Kokain hat einige gute Seiten: Ein paar Minuten lang gibt es einem ein interessantes und kribbeliges Gefühl, außerdem sind die Leute viel netter zu dir, wenn du ihnen etwas abgibst. Zu den Nachteilen gehört ein bitterer Geschmack auf deiner Zunge, das Risiko einer Überdosis oder Suchtgefahr—außerdem ist es verboten.

Ach, und dann ist da noch dieses dumpfe Gefühl, dass irgendjemand irgendwo enthauptet oder gefoltert wurde, nur damit du für einen kurzen Moment dieses interessante Kribbeln spürst.

Diese Vermutung ist nichts Neues. 1982 veröffentlichte das Harper’s Magazine einen Kommentar von David Owen mit dem Titel „Boycott Cocaine“, der beim amerikanischen Bildungsbürgertum der Reagan-Ära Schuldgefühle wegen des Kokainkonsums wecken sollte. „Mord gehört genauso zur Kokainkultur wie kleine silberne Löffel und zusammengerollte Hundert-Dollar-Scheine“, schrieb David Owen damals. Er erwähnt Dutzende Morde 1981 in Miami und merkt außerdem an, dass „1979 in den ersten vier Monaten im kolumbianischen Ferienort Santa Maria 240 Menschen bei Fehden zwischen Drogenbanden gestorben sind“.

Wen die Idee eines Kokain-Boykotts wegen der vielen Toten damals überzeugte, der würde sich jetzt noch mehr darin bestätigt fühlen, Kokain den Rücken zu kehren, wenn man sich die jüngsten Zahlen einmal anguckt. Wie PBS letztes Jahr unter Berufung auf die mexikanische Regierung berichtete, wurden zwischen 2007 und 2014 164.000 Menschen in Mexiko getötet—allein 2011 waren es 27.000. In einem Bericht wurden laut PBC 55 Prozent aller Morde in Mexiko den Kartellen zugeschrieben, allerdings stießen diese Schätzungen auch auf Kritik. Daher bleibt unklar, wie viele Tote tatsächlich im Zusammenhang mit Kokain stehen.

Es gibt allerdings auch andere Zahlen, mit denen man solche Gewalttaten auf Kokain zurückführen kann. 2011, dem Jahr mit den meisten Morden in Mexiko, wurden laut Angaben des Office of National Drug Control Policy, der obersten Drogenkontrollbehörde der USA, schätzungsweise 546 Tonnen Kokain in die USA geschmuggelt—meist über Mexiko. Im jüngsten Drogenbericht des US-Justizministeriums heißt es zudem, dass es, basierend auf den aktuellsten Zahlen von 2013, „fünfmal so viele Kokain-Konsumenten wie Heroin-Konsumenten gibt“.

Und die Kartelle sind noch für mehr verantwortlich als steigende Zahlen bei Mordopfern. Ein ganzes Land ist von Straftaten mit Drogenbezug betroffen und erschüttert, zum Beispiel als 2014 43 mexikanische Studenten entführt wurden, anscheinend vom Drogenkartell Guerreros Unidos. Die langsame Reaktion der Behörden führte zu monatelangen Unruhen. Die Mexikaner haben nur wenig Vertrauen in die Polizei und das Strafverfolgungssystem; bei einer Umfrage kam kürzlich heraus, dass nur etwa 10 Prozent der Gewaltverbrechen in Mexiko überhaupt angezeigt werden.

Motherboard: Euer Fingerabdruck verrät euren Kokainkonsum

„Als Konsument ist man Teil des Systems“, so David Schwartz, Professor für Philosophie am Randolph College und Autor des Buches Consuming Choices: Ethics in a Global Consumer Age. Wie diejenigen, die das Kokain produzieren und verbreiten, so Schwartz, „tragen auch Konsumenten die moralische Schuld für dieses skrupellose Vorgehen, denn am Ende profitieren auch sie davon: Sie nutzen ein Konsumprodukt, egal ob das Kleidung oder Kokain ist.“

Ein junger Kokaindealer aus L.A., der sich selbst „Ra“ nennt, erzählt, dass sich nur wenige der erschreckenden „Nebenwirkungen“ des Drogenhandels bewusst sind. „Irgendwelche Leute werden umgelegt und so weiter? Davon weiß ich nichts“, meinte er gegenüber VICE. Er kannte allerdings Dealer, die Verwandte in Mexiko haben, die in Gefahr gewesen sind, aber er hat bisher von keinem Kunden gehört, der sich darüber besorgt geäußert hat. „Den Käufern ist es gerade scheißegal. Das können Veganer sein und die ziehen sich immer noch eine Line. Tiere schlachten geht gar nicht, aber bei Menschen ist es OK. So gesehen ist das ganz schön mies.“

Auch wenn die meisten Berichte über Gewalt im Zusammenhang mit Drogen heutzutage aus Mexiko kommen, hat Kokain auch einen spürbaren Einfluss auf die Kokainhochburg der 80er, Kolumbien, genauso wie auf die Nachbarländer Peru und Bolivien, wo die meisten Kokasträucher—aus deren Blättern Kokain gemacht wird—angebaut werden. Paradoxerweise, so Sanho Tree, Leiter eines Projekts zur Drogenpolitik am Institute for Policy Studies, wollen die Koka-Bauern selbst, dass dieser endlos scheinende Teufelskreis durchbrochen wird. „Das ist für keine Lebensgrundlage. Viele von ihnen wollen das nicht mehr, weil es einfach zu viel Blutvergießen und Gewalt gibt“, so Sanho Tree, der den Koka-Anbau und die Kokain-Produktion in Kolumbien vor Ort studiert, gegenüber VICE.

Die Regierungen Kolumbiens und der USA versuchen allerdings schon seit Jahren, das Bewusstsein der Kunden für die Umweltauswirkungen von Kokain zu schärfen. Der ehemalige kolumbianische Vizepräsident Francisco Santos Calderón hat 2008 in Großbritannien und 2009 in den USA eine Art Umweltkampagne ins Leben gerufen und von „gemeinsamer Verantwortung“ gesprochen, um so Kokainkonsumenten der Mittel- und Oberschicht dazu zu bewegen, ihr geliebtes Koks endlich aufzugeben. Wenn man allerdings bedenkt, dass die USA und Kolumbien mit dafür verantwortlich sind, dass im Amazonasregenwald massenhaft Herbizide versprüht werden, um die Koka-Plantagen zu zerstören—mit verheerenden Folgen—, wirken solche Kampagnen ziemlich heuchlerisch. „Gelinde gesagt, ist das unaufrichtig“, meint Sanho Tree.

Diese Gottesjünger berauschen sich mit unsichtbaren Kokain und imaginären Joints:

David Schwartz bleibt allerdings optimistisch und hofft, dass ein Kokain-Boykott den ökologischen und humanitären Fußabdruck der Droge verbessern kann. „Ich glaube, dass einige Konsumenten die Auswirkungen ihres Konsums falsch einschätzen“, meint er. Als Beispiel nennt er den Fall, als die grauenhaften Kuhschlachtungen bei McDonald’s-Zulieferern einen Aufschrei ausgelöst haben, der zu umfangreichen Reformen in den Schlachthäusern geführt hat. „Natürlich kann einer allein das System nicht verändern“, sagt er und fügt hinzu, dass es mithilfe sozialer Medien „viel einfacherer ist, die Leute auf etwas aufmerksam zu machen“.

Von der fast schon lachhaften Vorstellung, wie die gefährlichsten Gangs der Welt auf einmal auf Friedfertigkeit und nachhaltige Landwirtschaft setzen, sind wir weit entfernt. Schwer vorstellbar also, wie da eine Veränderung zum Positiven aussehen könnte. Aber selbst Koksdealer Ra wünscht sich Verbesserungen. Seiner Meinung nach könnten sich Drogendealer doch mit den Bauern zusammentun und für „einen menschenwürdigen Anbau“ sorgen. Entweder das oder „irgendjemand muss es endlich in den USA anbauen. Aber das wäre doch verrückt. Wo soll man das denn machen?“

Sanho Tree hält das Klima in Florida für geeignet und erwähnt, dass „es früher auf Hawaii Koka-Plantagen gab“, und merkt zudem an, dass die Inseln klein und demzufolge leichter zu überwachen sind als die vergleichsweise gesetzlosen Gebiete rund um den Äquator in Lateinamerika. Mit Marihuana, das sich auf kleinem Raum, zum Beispiel in einem Schrank, anbauen lässt, kann man sich ein kleines Nebengeschäft aufbauen. Bei Kokain funktioniert das nicht so. Um genug von dem weißen Zeug zu produzieren, braucht man umgerechnet mindestens 4.000 Quadratmeter, meint Sanho Tree: „So etwas wie positive Skaleneffekte gibt es nicht.“

Munchies: In deinem Lachsfilet könnte Koks sein

Kurzum: So bald wird wohl kein Kokain in den USA produziert werden—und auch keines, auf dem Dinge stehen wie „Für dieses Produkt wurden keine Menschen gequält oder getötet“.

Wenn du dir aber weiter unbedingt die Nase pudern musst, dann kannst du, so David Schwartz, genau das tun, was alle tun, die wegen ihres CO2-Fußabdrucks ein schlechtes Gewissen haben: Kompensier deine Sünden einfach mit Spenden für wohltätige Zwecke. „Um seine Schuld ein wenig zu verringern, wenn man ein Produkt wie Kokain kauft, das so eng mit solch problematischen Methoden verknüpft ist, kann man soziale Initiativen oder anderen Gruppen, die den Opfern helfen, finanziell unterstützen“, meint er.

Ra findet einen gemeinsamen Kampf für Veränderung großartig, aber „noch nicht jetzt“, sagt er. Sein größtes Problem bis dahin ist es, „nicht auf die Fresse bekommen.“

Wenn du an eine Organisation spenden willst, die die Menschen in Südamerika unterstützt—egal ob du wegen deines Kokains Schuldgefühle hast oder nicht—, dann schau dir mal an, was ACCION International, OXFAM oder Save the Children in der Region so machen.

von
NewsRaider.de